Olten Spur 0 Expo 2017

Am 8 und 9 April 2017 fand bei strahlendem Frühlingswetter und angenehmen Temperaturen die 5. Spur 0 Expo in Olten statt. Für alle, die nicht dabei sein konnten, soll mit ein paar Bildern ein kleiner Überblick über die größte Spur 0 Ausstellung in der Schweiz vermittelt werden. Obwohl das Thema Schweiz, Epoche IV Regelspur dominierte, war auch eine Tinplate Anlage mit ihrem eigenem Charme vertreten. Angereist waren die Amtrakers mit einer 3Leiter Anlage nach US Vorbild, sowie eine 0m Modulanlage einer fiktiven Privatbahn, auf einer Modulanlage fand sich ein kleiner Bereich mit Vorbildern von RHB/FO und anderen, ebenfalls in 0m. Aus Deutschland angereist waren auch ein paar Segmente einer US Anlage im Bau in der in Europa eher seltenen Spurweite P48, der prototypisch richtigen Umsetzung im Maßstab 1/48. Hier stand aber ein Workshop über das Altern und Weathern von herkömmlichen Preiser Figuren auf dem Programm. Auf den oberen Rängen der Halle waren Vitrinen bereitgestellt, wo viele Selbstbau Modelle zu bestaunen waren, zudem gab es einen Restaurationsbetrieb mit Catering Service.

Aufbau

Der Aufbau der größten gezeigten Anlage der Modellbaugruppe Wangen bei Olten begann bereits am Donnerstag. Die anderen zehn Anlagen wurde im Laufe des Freitags aufgebaut. Neben Modulteilen und Rollmaterialkisten wurden ebenso Stellwände und Tische für Händler und Hersteller hereingetragen, es herrschte emsiges Treiben. Dennoch bleib genügend Zeit für Smalltalks, Begrüßung alter Bekannter und Freunde, sowie das Kennenlernen von neuen Teilnehmern. Die Gänge und Zwischenräume der Anlagen waren sehr großzügig angelegt, ein Engegefühl kam auch bei den zeitweise dicht umlagerten Anlagen und Herstellern nicht auf, hier trug sicherlich auch die Höhe der Sporthalle positiv dazu bei.

An den beiden Ausstellungstagen selber herrschte eine entspannte und lockere Atmosphäre, obwohl doch einige Händler mit Neu und Gebrauchtwaren anwesend waren, stand am Samstagmorgen bei den bereits auf Einlass wartenden Fachbesuchern bei Öffnung nicht in erster Linie das Kaufinteresse und die Jagd auf etwaige Schnäppchen an erster Stelle, sondern das wirklich große Interesse an den Anlagen, Workshops und Produktpräsentationen der Hersteller.

Verlade-Terminals nach dem System Lohr

Mit der Demoanlage des Verlade-Terminals nach dem System Lohr wurde eine funktionsfähige Version des im Vorbild unter anderem bereits in Bettenbourg/Lux existierenden Terminals vorgeführt. Hier konnten auch Kinder mit ferngesteuerten LKW`s auf die Transportwagen fahren, Aufleger abkuppeln und diese in Position auf die Wagen bringen. Vielfältige Bilder vom Vorbild zeigten diesen doch recht ungewöhnlichen Betriebsablauf der Verladung von Sattelauflegern, der Erbauer der selbst angefertigten Spezialwagen gab gerne und umfassend Auskunft mit seinem Fachwissen über Modell und Vorbild.

MBCZU Bülach

Eine außergewöhnliche sowie auch geniale und platzsparende Zufahrt zum Schattenbahnhof befand sich auf der Modulanlage des MBCZU Bülach. Hierauf fand sich eine Remise (Lokschuppen), in der das betreffende Fahrzeug dort auf ein aufgeständertes Gleis einfuhr, dieses sich mittels aufwendiger Mechanik, bestehend aus Gewindespindeln und ausgefeilter Antriebstechnik auf eine ca. 50cm tiefer liegende Etage absenken lies. Hier konnte das Fahrzeug ausfahren und auf den im „Untergrund“ eingebauten umfangreichen Gleisanlagen abgestellt werden. Die Besucher konnten dieses Schauspiel gut beobachten, befand sich dies gut geschützt hinter Glas in einem einsehbaren Bereich. Eine weitere Besonderheit war, dass diese modular aufgebaute Anlage mit denen der Winterthurer Eisenbahn-Amateure WEA verbunden war. In diesem Abschnitt der Module befand sich eine Verladeeinrichtung, wo mittels Kran und Greifer Kies aus einen Schiff ausgeladen wurde, in einem naheliegenden Schotterwerk konnte dann der Kies nach Körnung ausgesiebt und mittels Rutschen auf bereitstehende Wagen verladen werden. Das Aussieben selber wurde mittels hintereinanderliegenden rotierenden Trommeln, welche unterschiedliche Löcher hatten und somit die Korngröße vorgaben, bewerkstelligt. Das ganze Arrangement war als p to p ( point to point) mit mehreren Kreuzungsbahnhöfen aufgebaut.

Modulgruppe Südwest

Unter der Bezeichnung Modulgruppe Südwest, einer Modulvereinigung aus dem Dreiländereck, die nach Braunschweiger Modul-Norm bauen, jedoch unter Modelleisenbahn-Club Basel MCB im Hallenplan vermerkt waren, brachten ein 12×5,2 Meter großes Arrangement mit, Hauptthema hier als willkommenen Abwechslung DB, Epoche 3, vorwiegend mit Lenz Material und Gleisen. Diese Anlage war ebenfalls als p to p aufgebaut, mit zusätzlichem Abstellbereich in Form einer Ausweiche, welche später mit Landschaft versehen wird. Schön ist hier zu sehen, dass hier viele Module in unterschiedlichen Bauzuständen gezeigt werden, welche dann von Ausstellung zu Ausstellung ihrer Vollendung entgegenstreben.

Reppischtaler Eisenbahn-Amateure REA

Gleich nebenan stand die Modulanlage der Reppischtaler Eisenbahn-Amateure REA, diese zeigten als ovale Fahranlage den Bahnhof Flüelen im Baustadium, sowie den Bahnhof Zürich Wiedikon, eine Anlehnung an den real existierenden offenen Tiefbahnhof im Stadtgebiet Zürichs. Die selbstgebauten Stadthäuser und Bäume beeindruckten durch ihr stimmiges Größenverhältnis. Der derzeitige Bau und Detailierungsgrad dieses Anlagenabschnittes wird uns nach erfolgter Fertigstellung sicherlich weiterhin positiv überraschen.

Tinplatefreunde Bern

Die Tinplatefreunde Bern zeigten ihre Schätze und Raritäten aus dem vergangenen Jahrhundert. Scheppernd und „elektrisch“, riechend zogen fein lithografierte Blechloks und Wagen unterschiedlicher Herstellern zwischen Blechgebäude, offene Verkabelungen, Bäume und Lampen ihre Runden. Solch eine nostalgische Anlage hat ein besonderes Flair, gerade im direkten Vergleich zu höchstdetaillierten Messingmaschinen. Ein besonderes Highlight war eine dort gezeigte Schaufenster Anlage, eigens von Märklin speziell für Apotheken gefertigt, mit allem Zubehör inklusive Figuren und Gebäuden. Bereits damals schon gab es einen eigens dafür gemalten Hintergrund, der um einen Teil des Gleisovals aufgestellt werden konnte, ein Detail, das sicherlich seiner Zeit voraus war.

Familie Kleiner aus Bex

Bei der Anlage der Familie Kleiner aus Bex aus dem Kanton Waadt handelt es sich um eine ovale Privatanlage. Hierauf befand sich der eingangs erwähnte RHB/FO Schmalspurabschnitt. Auf dem doppelspurigen Abschnitt der Hauptstrecke mit Unterwegsbahnhof drehte ein im Selbstbau entstandener RAm Dieseltriebwagen aus Messing und Resinteilen. Ebenfalls im Eigenbau entstandener RAbD fuhr auf der Anlage. Im Bau befand sich ein Schloss, angelehnt an Vorbilder entlang des Genfer Sees.

Arthur Hintermann: 0m/0e

Aus Benzenschwil (Kanton Aargau) war Arthur Hintermann mit seiner 0m/0e Bahn angereist. Seine fiktive Bahngesellschaft trägt seinen Namen, nämlich Arthur-Hintermann-Wald-Bahn mit ebenfalls eigens entwickeltem Logo. Auf der Bahn selbst im Einsatz waren selbst umlackierte und modifizierte, sowie auch selbstgebaute Fahrzeuge. Es war ein P to P Arrangement aufgebaut, vielfältige Ladestellen ermöglichten einen umfangreichen Rangierbetrieb.

Amtrakers der Oberbaselbieter Eisenbahn Amateure

Mit einer 3Leiter US Anlage, einer in Europa weniger gebräuchliche Variation der Spur 0, waren die Amtrakers der Oberbaselbieter Eisenbahn Amateure aus Liestal anwesend. In den Vereinigten Staaten stellt diese Fraktion den größten Anteil in der dortigen Spur 0 Szene. Auf einem ovalen Rundkurs fuhren lange Züge, bespannt mit großen Dampfloks und Dieselloks in Doppeltraktion nach US Manier über diverse Trestles (Holzbrücken) im Kreis. Beeindruckend hier war der große Fahr und Steuerpult, das Kontrollzentrum der Anlage. Das ursprünglich als reine Fahranlage konzipierte Arrangement erhielt aber mit einem Betriebswerk und den dazu notwendigen Gebäuden ein US typisches Flair.

Gastgeber: Modellbaugruppe Wangen bei Olten

Die flächenmäßig größte Anlage (25x15m) mit einer Streckenlänge von ca. 350 Metern Fahrstrecke und ca. 60 Meter Abstellgleise wurden vom Gastgeber selber, der Modellbaugruppe Wangen bei Olten aufgestellt. Da ja in der Schweiz doch Oberleitung dominiert, es aber bei einer transportablen Anlage schwierig ist, eine durchgängige Fahrleitung zu installieren, wurde dieser Umstand dadurch gelöst, das  ca.200 steckbare Streckenmaste und 50 Oberleitungsjoche im Bahnhofsbereich, die zum Transport entfernt werden können, an Ort und Stelle stehen, jedoch ohne die eigentliche Fahrleitung selber. Ein besonderer Höhepunkt war eine neu gebaute, real existierende Häuserzeile aus der Stadt Olten, die einen schönen Hintergrund der im Vordergrund verlaufenden Strecke bildete.

Fazit

Alles in allem eine sehr gelungene Veranstaltung, die ohne Eintritt für die Besucher zu erheben, dennoch ca. 1300 am Samstag und ca. 900 Besuchern am Sonntag angelockt hat.

Die Fortsetzung der Ausstellung ist für 2019 geplant, genaue Daten folgen voraussichtlich im Frühjahr 2018. Die gezeigten Exponate und die freundlich interessierte Atmosphäre stellt eine echte Bereicherung der Spur 0 Szene dar, auch weitere Anreisen lohnen sich durchaus.

Eine Reaktion zu “Olten Spur 0 Expo 2017”

  1. jörg uhlemann Antworten

    Bei diesem tollen Bericht werden Erinnerungen geweckt. Mir hat es sehr gefallen und ich nehme mir fest vor, wieder zu kommen. Danke auch an die Organisation der „eigenen“ Buslinie, da war die städtische Anreise ganz einfach.

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