Fahrzeuggewichte: Achslast und Meterlast

Immer wieder stellen sich nicht nur Spur 0er die Frage, ob ein Eisenbahnfahrzeug nebenbahntauglich ist oder nicht. Im Folgenden gibt es ein paar Informationen dazu.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Fahrzeug nebenbahntauglich ist oder nicht, hängt direkt mit der Achslast zusammen, hinzu kommt die Meterlast. Doch was ist das nun genau?

Achslast

Das ist einerseits die Last, mit der Eisenbahnfahrzeuge mit ihren Achsen pro Achse auf das Gleis drücken. Wenn Fahrzeug gleichmäßig ausgelastet sind, kann man die Achslast errechnen, indem man das Gesamtgewicht durch die Anzahl der Achsen dividiert. Das Ergebnis ist dann die Achslast des Fahrzeugs.  Von diesem Idealfall gehen wir im Folgenden aus – also das Fahrzeug ist gleichmäßig belastet.

ABC Raster an einem Güterwagen

ABC Raster an einem Güterwagen

Dem gegenüber steht die zulässige Achslast der Strecke. Die DB-Strecken wurden in Epoche III vereinfacht in drei Streckenklassen eingeteilt: Strecken mit 16t, 18t oder 20t zulässiger Achslast. In der Regel waren die 16t-Strecken normale Nebenbahnen, 18t-Strecken die normalen Hauptbahnen und (sehr selten) die 20t-Strecken die ausgebauten Güter-Rollbahnen und wichtige Fernverbindungsstrecken. Die frühe DB hat ein Programm weitergeführt, mit dem wichtige Strecken und später auch Nebenfernstrecken für 20t-Achslast ertüchtigt wurden. Dazu wurden Ober- und Unterbau erneuert und stärkere Schienenprofile verbaut.

Doch kommen wir zurück zur Achslast:
Während Lokomotiven aufgrund ihres Gewichtes und den verbauten Achsen und dem sich nicht verändernden Verhältnis zwischen Achsen und Eigengewocht als nebenbahntauglich oder eben nicht nebenbahntauglich definiert werden können, ist das bei Güterwagen etwas anders. Es gibt zwar ein paar Dampfloks, bei denen die Achslast durch Umstecken von Bolzen verändert werden kann (BR 41 fällt mir da spontan ein), aber die Achslast von Lokomotiven ist in der Regel nicht veränderbar. Doch schauen wir uns das Thema mal bei den Güterwagen an:

Leere Güterwagen können normalerweise auf allen Strecken befördert werden, da gibt es keine Einschränkungen, da die Achslast leerer Güterwagen nie an die unterste Kategorie, 16t, heranreicht. Doch wenn Güterwagen beladen werden, dürfen diese nur so weit beladen, dass auf keiner der befahrenen Strecken die zulässige Achslast überschritten wird. Dazu hatte dafür zuständige Eisenbahner Unterlagen, aus denen die zulässige Achslast der befahrenen Strecke hervorging. Da diese Unterlage zum damaligen Tarifwerk gehörte, konnte auch der verladende Kunde selber herausfinden, auf welchen Strecken der von ihm abgeschickte Wagen verkehren würde und welche Achslast zulässig war.

Lastgrenzraster, ABC-Raster

Nun gut, dann weiß der Verlader, dass bspw. nur für 16t-Strecken beladen werden darf. Aber woher weiß er nun, wieviel er wirklich auf den Güterwagen packen darf? Dafür gibt es an jedem Güterwagen ein sogenanntes Lastgrenzraster, auch umgangssprachlich ABC-Raster genannt. Du findest dieses Raster an jedem Güterwagen und erkennst es an den Großbuchstaben A, B und C. A steht für 16t-Achslast, B für 18t und C für 20t (wer moderne Güterwagen ansieht, findet da noch andere Buchstaben – klar, denn heute wird mit 22,5t Achslast gefahren). Unter den Großbuchstaben A. B und C steht ein Gewicht, welches das zulässige Ladegewicht bedeutet. Wenn also unter A die Zahl 20,5t zu finden ist, dann darf der Wagen nur mit 20t Ladung beladen werden, um die zulässige Achslast von 16t nicht zu überschreiten (und entsprechend für die anderen Einträge).

Beispiel für ein Lastgrenzraster:

ABC

Wenn kein Lastgrenzraster zu finden ist, kann man sich die zulässige Beladung selber ausrechnen, wenn man die zulässige Achslast der Strecke kennt.

Die Berechnung ist unter Beachtung folgender Formel einfach möglich:

zul. Achslast x Anzahl Achsen = Eigengewicht Wagen + Zuladung

Wenn diese Gleichung aufgeht oder das Gesamtgewicht (Eigengewicht + Ladung) kleiner ist als das Produkt von zul. Achslast x Achsenzahl, dann darf der Wagen beladen auf der fraglichen Strecke verkehren.

Soweit, so gut.

Doch die Achslast ist in Hinblick auf das Befahren von Nebenbahnen mit beladenen Güterwagen nur die halbe Miete, denn es gilt auch noch, die Meterlast zu beachten!

Meterlast

Im Gegensatz zu Achslast, die die punktuelle Belastung des Gleises ausdrückt, bedeutet die Meterlast die durchschnittliche Belastung des Gleises pro Meter. Um die Meterlast des Wagens zu ermitteln, teilt man das Gesamtgewicht des Wagens durch die Länge des Wagens in Meter. Das Ergebnis ist die Meterlast.

Warum ist die Meterlast nun so interessant? Nun, diese ist für Bauwerke wie Brücken und Durchlässe sehr wichtig, denn die Tragfähigkeit einer Brücke wird einerseits in Gesamtgewicht und andererseits durch die Meterlast definiert.

Ich habe dunkel (Ausbildung diesbezüglich liegt 28 Jahre zurück) in Erinnerung, dass Meterlasten von 5,6 t/m, 6,4 t/m, 7,2 t/m und 8,0 t/m in Erinnerung.

Wenn man nun ein Eigengewicht von 23t (Beispiel) und dann für Achslast A eine Zuladung von 73t annimmt (Summe 96t = 6 Achsen zu je 16t) und das Ergebnis durch die Länge des Wagens von 13m (Beispiel) teilt, dann erhält man eine Meterlast von 7.38 t/m. Daraus kann man erkennen, dass der Wagen voll beladen ein richtiges Schwergewicht ist! Bei Streckenklasse C käme man übrigens auf eine Zuladung von 97t und auf eine Meterlast von 9,23 t/m!

Wenn man nun die Meterlast von bspw. 6,4 t/m nicht überschreiten wollte (Wert vieler tyypischer Nebenbahnen!), dann dürfte unser Beispielwagen 83,2t wiegen. Ziehen wir davon 23t Eigengewicht ab, dann bleiben für die Ladung immer noch 60,2t übrig. Das reicht sicher auch für einen schweren Panzer (oder Stahlplatten).

Am zweiten Rechenbeispiel kann man nun erkennen, dass auch ein längerer Sechsachser durchaus auf Nebenbahnen mit 16t zulässiger Achslast und 6,4 t/m Meterlast eingesetzt werden können – das Maximum an Zuladung wäre dann nur etwa 60t…

Eine Reaktion zu “Fahrzeuggewichte: Achslast und Meterlast”

  1. John Illingworth Antworten

    I find this very interesting. I have modelled German railways for over 10 years but never noticed the data on the wagons.
    Can any person help me here? How do I find the permitted load on a particular route. I am at present building a model based on the Ahttal. How might I find the permitted loads for goods wagons that might have run from Remagen to Adenau in thge Ahr?
    Help would be very much apprieciated.
    Regards – John Illingworth

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