Über Jahrzehnte prägten Telegrafenmasten das Bild der Eisenbahnstrecken. Die hölzernen Masten mit ihren Traversen und den oft schneeweißen Porzellanisolatoren begleiteten die Gleise durch Städte und Landschaften. Heute sind sie fast vollständig verschwunden. Auf unseren Modellbahnanlagen gehören sie dagegen zu den charakteristischen Details am Bahndamm. Wie man sie mit überschaubarem Aufwand selbst herstellen kann, praktizierten die Eisenbahnfreunde Kölln-Reisiek bei einem gemeinsamen Bau-Workshop.

Holzstaub auf den Tischen, der Geruch von Holzbeize und Farbe in der Luft, dazwischen das Surren des Bandschleifers und Kreischen der Standbohrmaschine. Einen ganzen Samstag lang verwandelte sich das temporäre Vereinsdomizil in eine kleine Telegrafenmasten-Manufaktur. Jeder hatte eigenes Material, Werkzeuge und Ideen mitgebracht. Es wurde gesägt, geschliffen, gebohrt, gebeizt und montiert. Und natürlich blieb genügend Zeit, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam über die besten Lösungen zu fachsimpeln.
Die Grundlage der Masten bilden Rundhölzer mit vier Millimetern Durchmesser, die im Maßstab 1:45 einen Holzmast von 18 Zentimetern Stärke darstellen. Mit Tischkreissäge und Bandschleifer wurden die Hölzer bearbeitet, anschließend sorgten Holzbeize und Farbe für eine möglichst natürliche Oberfläche. Gerade die leicht unterschiedlichen Farbtöne und Holzstrukturen tragen dazu bei, dass die fertigen Masten wie bearbeitete Baumstämme aussehen.




Eine besondere Herausforderung beim Nachbau sind die Traversen und ihre Befestigungen am Mast. Neben fertig gekauften Einzelisolatoren kamen moderne Fertigungstechniken ins Spiel: Nach ausführlicher Recherche entstanden genau nach Vorbild Traversen für vier und acht Isolatoren samt passender Halterungen am Computer, und wurden im 3D-Druck hergestellt. Auch Doppeltraversen für Endmasten, an denen die Freileitungen enden und in den Boden geführt werden, gehören zum Sortiment.
Während an einem Tisch die Rundhölzer vorbereitet wurden, ging es nebenan bereits an die Montage der winzigen Isolatoren. Hier wurde eine Traverse ausgerichtet, dort über die passende Farbgebung diskutiert. So entstand nicht nur eine beachtliche Serienproduktion, sondern auch ein reger Austausch über Werkzeuge, Materialien und praktische Kniffe.





Mehr als 100 Telegrafenmasten unterschiedlichster Bauart waren am Ende des ebenso unterhaltsamen wie produktiven Samstags fertiggestellt. Sie werden künftig sowohl private Spur-0-Anlagen und Module als auch die Vereinsmodule bereichern. Einen unterhaltsamen Rückblick auf den gemeinsamen Basteltag gibt es auf der Homepage der Eisenbahnfreunde Kölln-Reisiek. Man kann die Masten mit einfachen Hilfsmitteln ganz ohne Maschinenpark natürlich auch entspannt am heimischen Basteltisch herstellen, aber in Gemeinschaft macht es mehr Spaß.
Ausführlicher Baubericht im nächsten Spur Null Magazin
Wer selbst Telegrafenmasten bauen möchte, findet in der nächsten gedruckten Ausgabe des Spur Null Magazins einen ausführlichen Praxisbeitrag. Darin werden die Materialien, Werkzeuge und einzelnen Arbeitsschritte näher vorgestellt. Zahlreiche Detailaufnahmen und praktische Tipps zeigen, wie sich die charakteristischen Begleiter historischer Eisenbahnstrecken im Maßstab 1:45 überzeugend nachbilden lassen.

Hallo zusammen,
gemeinsames Basteln an einem Herbsttag hat allen bestimmt einen riesigen Spaß gemacht!
Schöne Grüße
Wolli