Die Epochen in Spur Null

Schienenwagen SS15 in 10 Bedruckungsvarianten

Schienenwagen SS15 in 10 Bedruckungsvarianten

Fast immer, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt, steht schnell jemand auf und beschwert sich darüber, dass das Modell nicht für seine Epoche oder Bahngesellschaft erhältlich sei. In Heft 21 auf Seite 14 kann man eine Zusammenfassung der Gründe nachlesen: Großserie braucht hohe Stückzahlen, um rentabel zu sein. Das ist bei geschätzten 3000 – 5000 mehr oder weniger aktiven Spur Nullern in Deutschland gar nicht so einfach. Die typische Startauflage für ein Modell beträgt 1000 Stück, gar nicht selten weniger, und so muss man genau hinsehen, welches Modell und welche Beschriftung erfolgversprechend sind.

Bedruckungsvarianten des K25

Bedruckungsvarianten des K25

Bedruckungsvarianten des K25

Bedruckungsvarianten des K25

Michael Schnellenkamp hat ein Modell mit besonders vielen Bedruckungsvarianten aufgelegt: Der Schienenwagen SS15 erscheint in 10 Lackierungs- und Bedruckungsvarianten, der Klappdeckelwagen K 25 immerhin in 6 Versionen (plus 3 für den französischen Markt). Beide Wagen haben Vorbilder, die von Epoche 2 bis Epoche 4 unterwegs waren. Freunde aktueller Epochen werden einwenden, dass der nur für 65 km/h zugelassene Schienenwagen SS15 in Epoche 4 keine allzu große Rolle gespielt hat. Aber er war zumindest bis in die späten 1970er Jahre unterwegs.

Und hier sind die Verkaufszahlen, der Anteil der Modellvarianten in Prozent:

SS15 Schienenwagen:

DRG Ep.II 11,2%
DRost Ep.III 10%
DRost Ep.IV 0,4%
DB Ep.IIIa 12,8%
DB Ep.III 41,6%
DB Ep.IV 5,2%
Belgien Ep.III 5,2%
Luxemburg Ep.III 6,4%
Luxemburg Ep.IV 4,4%
ÖBB Ep.III 2%

K25 Klappdeckelwagen

DRG Ep.II 10,4%
DRost Ep.III 20,8%
DB Ep.IIIa 5,4%
DB Ep.III 58,3%
DB Ep.IV 2%
ÖBB Ep.III 2,7%

Allerdings muss man sagen, dass der K25 in Epoche 4 nur noch als Bahnhofswagen bedruckt im Angebot ist.

Zusammengefasst für den Schienenwagen

  • Für Epoche 2 sind es 11,2% Käufer, für Epoche 3 international 78%, für Epoche 4 international 10%, in Deutschland die Hälfte.
  • Epoche 3 ist mit über ¾ Anteil immer noch mit weitem Abstand die populärste Epoche.
  • Epoche 4 und 2 sind Nischenmärkte mit zweistelligen Stückzahlen (oder knapp darüber bei angenommenen 1.000 Stück Produktionsmenge).
  • Für Epoche 3 verkaufen sich auch ausländische Wagen erstaunlich gut.
  • Die ÖBB ist in Spur Null zu gut wie nicht vertreten.

Der Klappdeckelwagen zeigt eine ähnliche Verteilung, Epoche 3 a DB, Epoche 3 DB und Epoche 3 DR Ost kommen zusammen auf knapp 85%.

Natürlich hängt eine solche Verteilung immer vom konkreten Modell ab. Jedoch: Auch andere Hersteller berichten von ähnlichen Trends. Die Bedruckungsvarianten Epoche 3 Ost werden besser verkauft als Epoche 4 DB, Epoche 3 DB hat immer noch den Löwenanteil, selbst dann, wenn das Vorbild erst in den 1950er oder 1960er in Dienst gestellt wurde. Wenn ein Modell auch in der Schweiz unterwegs war oder ist, dann verschiebt sich der Anteil ein wenig, denn in der Schweiz ist die moderne Bahn in Spur Null deutlich populärer als hierzulande.

Was die Freunde der frühen Epoche 2 schon lange wissen gilt auch für Epoche 4: Wer einen größeren Fuhrpark mit unterschiedlichen Modellen anschaffen will, der muss sich mit dem Umbeschriften der Modelle anfreunden. Und wer Hersteller dazu ermutigen will, Epoche 4 Modelle aufzulegen, der verschwendet mit verbalen Forderungen danach nur Energie, so lange die Verkaufszahlen so aussehen wie im Augenblick. Daher, wie so oft im Leben: Handeln statt reden und Überzeugungsarbeit durch handfeste Zahlen leisten. Will heißen: Verfügbare Epoche 4 Modelle kaufen und/oder selbst Hand anlegen.

Bleibt noch die moderne Bahn: Wer die Epoche 5 in Spur Null nachbilden will, der kann bei M.T.H. eine Handvoll Modelle finden oder muss nach Kleinserienmodellen Ausschau halten, oder sich halt ans Werk machen.

13 Reaktionen zu “Die Epochen in Spur Null”

  1. thomy

    Hallo Zusammen
    Oh Mann – kein Wunder, das es der Modellbahn an sich an Nachwuchs fehlt! Und – mal ehrlich: Ein Statement gegen die Epoche IV mit Wagenmaterial zu erstellen, welche aktiv nur noch als Bahnhofswagen oder als Bahndienstwagen eben in der Epoche IV unterwegs waren, spricht schon für sich!!!
    (Ich bin mit dem Kopfschütteln immer noch nicht fertig…)
    Komisch nur, das es immer wieder Lokomotiven in Epoche IV gibt, auch und gerade von Lenz.
    Und auch die ach so verfemte Türkis – beige Lackierung gibt es – und nicht nur bei einem Modell!!!
    Ach ja: In Epoche V und später gibt es von den Gießenern die 360 und (ok:Sondermodell) die 213 „Marion“!
    Also: Es lebe die Vielfalt!!!
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    thomy

    • Stefan Karzauninkat

      Der Beitrag ist kein „Statement“ für oder wider eine Epoche, sondern es handelt sich um aktuelle Verkaufsanteile zweier dezidierter Modelle.

  2. Thoralf

    Danke für die interessante Offenlegung der Zahlen!
    Endlich mal Fakten anstatt immer irgendwelche Vermutungen einiger weniger Leute ….

    Man muss halt ganz klar akzepteren, dass Hersteller in erster Linie Geld mit den Produkten verdienen müssen. Sonst sind Sie schnell weg vom Markt, wer will das?

    Ich als Hersteller würde Entwicklungskosten natürlich in den Bereich investieren, bei dem ich meine Umsätze zum finanzieren des Aufwands sicher einfahren werde.
    Klingt logisch, ist es auch 🙂

    Thoralf

  3. Oliver Bachler

    Hallo zusammen,

    also ich bin froh das Lenz die Lokomotiven auch in der ozeanblau-beigen Lackierung herausgebracht hat.
    Ich bin mit den Farben und der Epoche großgeworden und frohe mich über jede Variante der Epoche 4.
    Aber so gehen die Meinungen und Interessen auseinander und es lebe die Vielfalt.
    Gruß

  4. thomy

    Hallo Zusammen
    Tja, Stefan; wenn man Verkaufsanteile ermittelt für Wagen, welche fast alle Anfang der Epoche IV aus dem Verkehr gezogen wurden, dann sind die Zahlen doch logisch…
    Wie sagte schon Churchill: Ich traue nur meinen eigenen Statistiken…
    Trotzdem ein schönes Wochenende
    thomy
    PS: Geldverdienen – wichtig, aber was ist mit der Nachwuchsförderung?

  5. Jan Steinhagen

    Moin,

    diese Wagen waren in der Epoche IV nicht mehr oder in homöopathischen Stückzahlen unterwegs, daher stehen sie nicht ganz oben auf meiner Einkaufsliste. Viele andere werden es genauso halten.

    Was man dem Autor zugute halten muss: ein Güterwagnmodell zu finden, dass wirklich über alle drei Epochen in wesentlicher Stückzahl einsetzbar ist, dürfte sehr schwer fallen, denn um 1975 gab es eigentlich nur noch DR-Wagen der Kriegsbauarten (Rungenwagen, Schwerlastwagen, Kühlwagen, Pwghs) bei der DB, der Rest war weg oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Die Kriegsbauarten entstanden, als sich die Epoche 2 gerade zu ihrem unrühmlichen Finale aufschwang -und das dürfte der wohl unbeliebteste Teil dieser Epoche für die Modellbahn sein. Bei den Personenwagen hat es das einzige geeignete Modell – der Lenz Pwi, im Einsatz 1932 bis frühe 80er(DB) – es im Modell nicht in die Epoche IV geschafft.

    Sehr gut an der Auswahl gerade dieser Modelle ist natürlich, dass Schnellenkamp sie gleichzeitig anbietet.
    Ansonsten käme ein „systematischer Fehler“ noch dazu: wenn Modelle zuerst in Epoche III erscheinen, können die Verkaufszahlen nie das wirkliche Bild widerspiegeln. Ich habe bisher insgesamt 8 Wagen und zwei Loks in Epoche III gekauft, weil man einfach nicht damit rechnen kann, dass sie irgendwann noch in Epoche IV erscheinen, obwohl sie für diese typisch und „unverzichtbar“ sind. Somit „stärke“ ich „gegen meine eigenen Interessen“ die Epoche III. Und da werde ich ganz sicher nicht der einzige sein!

    Gruß,
    Jan Steinhagen

    • Eine Bauart, die wirklich voll von 1920 bis 1994 einsetzbar sind, gibt es natürlich nicht – Güterwagen leben im Plandienst maximal 60 Jahre. Der SS 15 bzw Rkmp 653 ist von den 1920 bereits existierenden Bauarten noch am weitesten in die Epoche 4 gekommen (wenn auch vermutlich mit kleineren Stückzahlen als etwa ein G 10). Geringfügig neuere Bauarten bringen auch nichts, denn selbst die Kriegsbauarten wurden in den 1970ern schon ausgemustert.

      Zwei Wagen gäbe es, die sowohl für die 1930er wie auch für die 1980er noch verwendbar sind: Zum einen der Rungenwagen Rmrs 31 (Klm 440) von 1933 bis 1995, den es in 0 aber nicht gibt. Das andere wäre Brawas geschweißter Kesselwagen. Bei dem hat die Website dann für Spur 0 auch nur 2 von 10 Varianten in Ep.4. Zum Vergleich sind es in Spur N, die sicherlich einen weitaus höheren Anteil Ep.4 hat, 4 der 12 angekündigten…

      Schellenkamp hat in 0 aber noch einen Wagen, der für einen Vergleich interessant wäre: Die Einheitskesselwagen (oder zumindest Nachbauten dieser) hatten ihren letzten Einsatz beim Aufräumen der sowjetischen Kasernen in der ex-DDR.

  6. Michael

    Hallo zusammen,

    betrachtet man die Zahlen, so komme ich zu dem Schluss, dass mit ex Länderbahnen die ja noch reichlich vertrten waren in der Epoche 3 sowie in halb Europa unterwegs waren ganz gut fährt. Abwärtskompatibel in die Epoche 1 wären sie auch mit diversen Bastelarbeiten.

    Wagen aus dieser Epoche sind durch die Epoche 1 bis 3 gefahren, somit decken sie ein breites Feld ab. Dazu eben sind auch noch Marktanteile für ausländische Bahnverwaltungen denkbar. Mal sehen wie es weitergeht.

    MFG

    Michael

  7. Moritz

    Hallo Zusammen!
    Ich kann Thomy und Jan Steinhagen nur beipflichten. Auf meiner Kaufliste stehen auch nur die etwas moderneren Modelle der Ep. IV oder V.
    Ferner habe ich wie Jan es schreibt, auch immer wieder mangels Angebot die Ep. III-Modelle gekauft. Das mache ich nun nicht mehr. Älteres gefällt mir halt nicht. Ich warte . . . ich kann warten . . . Hoffentlich liefert Lenz die E 41 gleich in Ep. IV-Varianten aus. Da wäre ich dann sicher dabei!
    Moritz

  8. Horst Fischer

    Hallo zu diesem Thema,

    auch ich kaufe Epoche 3, da hier die meiste Vielfalt geboten wird. Gerade bei dem verfügbaren Platz eine Spur 0 Anlage zu bauen wundert mich das Fehlen von Triebzügen, wenn man mal vom Lenz-Schienenbus absieht. Sollte sich ein Hersteller (hoffentlich Lenz) dazu entscheiden, den Schritt in Richtung Epoche 5 oder gar 6 zu wagen und moderne Dieseltriebzüge zu produzieren, verkaufe ich mein ganzes Epoche 3 Equipment.
    Na ja – bis auf einen Museumszug vielleicht.

    Gruß

    Horst Fischer

  9. Roland Zemke

    Hallo,

    wenn ich die Zahlen so lese, muss ich Verständnis für den Hersteller aufbringen, dass er Fahrzeuge nicht mehr anbieten kann, die sich nicht verkaufen. Wir wollen ihn ja nicht in die Pleite schicken.

    Aber vielleicht wäre folgende Variante interessant:
    Für die Freunde der Epochen I, II und IV die Modelle als unbeschriftete Bausätze auf den Markt bringen. Da kann dann jeder sich sein Modell seiner Epoche daraus machen. Die erforderlichen Beschriftungssätze kann man sich anfertigen lassen.

    Es wäre dann keine Auflage von ca. 1000 Epoche-II-Modellen und 1000 Epoche -IV-Modellen erforderlich, es würde wohl dann eine begrenzte Anzahl von Bausätzen ausreichen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  10. H-J Widuch

    Wenn man Modelle, die in Ep. IV kaum eine Rolle gespielt haben, auf den Markt bringt, sich dann beschwert, dass sie nicht gekauft werden und zu guter Letzt diesen eigenen Fehler dazu benutzt, die Ep. IV in Spur 0 tot zu reden, dann braucht man sich nicht wundern wenn die ganzen überzeugten Ep. III mal verstorben sind, dass sich keine Sau mehr für 0 interessiert.