Lenz Weichenlaterne reparieren

Eine abgebrochene Lenz-Weichenlaterne ist immer ärgerlich, eine Reparatur durch Einkleben ist leider so gut wie aussichtslos. Ist die Weiche bereits eingebaut und eingeschottert, kommt man auch nicht mehr ans Innenleben der Weichenmechanik heran, denn der Gehäusekasten ist nur von unten zugänglich. Auch wenn die Weiche noch nicht eingebaut sein sollte, ist es fast unmöglich, eine abgebrochene Laterne wieder einzukleben. Da hilft nur eine „Radikalreparatur“!

Die Weiche in diesem Umbaubericht ist eine Linksweiche, die mit einem durch die Anlagenplatte geführten Stellstab gestellt wird, der von unten mittels einer mechanischen Stellstange bedient wird.

Die Operation beginnt mit der Trennscheibe

Die Operation beginnt mit der Trennscheibe

Mit einem Dremel und Trennscheibe wird das Gehäuse vorsichtig aufgeschnitten. Mir war wichtig, dass die originalen Stellstangen aus Kunststoff, die die Zungen verbinden und die Stellkraft nach außen übertragen, nicht zerstört werden. Wer weiß, wie ich ihn am besten nutzen kann?!

Die Stellstangen sind freigelegt

Die Stellstangen sind freigelegt

Die obere Abdeckung ist grob abgeschnitten. Am Ende des Zungenstellstangen wird der Magnet sichtbar. Dieser dient normalerweise dazu, die Endlage der Weichenzungen zu forcieren, indem jeweils eine der beiden Metallplättchen im Inneren angezogen wird. Damit ist gewährleistet, dass die Zunge an einer der Backenschienen gut anliegt. Die beiden Metallplättchen sind auf dem umgedrehten und abgetrennten Deckel zu sehen.

Der ganze Kasten ist aufgetrennt. Sichtbar ist nun auch die Zahnstange und das Zahnrad, auf der die Laterne befestigt war.

Der ganze Kasten ist aufgetrennt. Sichtbar ist nun auch die Zahnstange und das Zahnrad, auf der die Laterne befestigt war.

Komplett entfernter Antriebskasten

Komplett entfernter Antriebskasten

Der Kastenrahmen ist auch entfernt. Eine der vier Schrauben, welche von unten eingeschraubt die untere Abdeckung mit dem Gehäuse verbanden, liegt auf dem Magneten (der sofort alle Kleinmetalle anzieht).

Plastikreste können auch mit einem Seitenschneider abgeschnitten werden. Mit der Trennscheibe ist es nicht immer möglich, jede Stelle zu erreichen.

Plastikreste können auch mit einem Seitenschneider abgeschnitten werden. Mit der Trennscheibe ist es nicht immer möglich, jede Stelle zu erreichen.

Eine Schraube (oben rechts) steckt immer noch im Restgewinde. Ich habe sie mit einem Skalpell herausgefummelt. Die Bodenplatte liegt nur ganz frei und kann entfernt werden.

Eine Schraube (oben rechts) steckt immer noch im Restgewinde. Ich habe sie mit einem Skalpell herausgefummelt. Die Bodenplatte liegt nur ganz frei und kann entfernt werden.

Probehalber aufgestellt: Weichenstellbock von Schnellenkamp

Probehalber aufgestellt: Weichenstellbock von Schnellenkamp

Der Weichenstellbock von Schnellenkamp wird probehalber daneben gestellt. Wie nun eine Verbindung zum Zungenstellhebel schaffen? So wie auf dem Bild zu sehen, steht der Weichenstellbock zu dicht am Gleis. Ein Abstand von 2 cm bis zur Schwellenkante sollte eingehalten werden.

Messingplättchen für die Kraftübertragung

Messingplättchen für die Kraftübertragung

Ich habe mir ein kleines Messingplättchen (ca. 0,5 mm stark) zurechtgeschnitten und ein Loch für eine 3mm Schraube hinein gebohrt. Dieses Plättchen wird auf den Zahnstangenrahmen montiert. Die Nase am Plättchen war eigentlich dafür gedacht, dass diese in den Weichenstellhebel greifen kann, was aber leider nicht vernünftig funktionierte. Die Schraube ist auf dem Bild von unten ins Plättchen eingesteckt worden, aber auch das war noch keine gute Lösung. Auf den letzten Bildern ist ersichtlich, dass die kurze Schraube von oben eingesteckt und die Mutter von unten eingedreht wurde.

Raum schaffen für die neue Verbindung

Raum schaffen für die neue Verbindung

Allerdings scheuert die Mutter auf dem Untergrund. Abhilfe: Schraube wieder entfernen und mit Dremel und Fräskopf vorsichtig einen kleinen Kanal aus der Holzplatte ausfräsen. Dann alles wieder montieren, die Mutter hat nun unten genug Raum für den Stellweg.

Der Weichenbock wird aufgeschraubt

Der Weichenbock wird aufgeschraubt

Erster Funktionstest

Erster Funktionstest

Der Weichenstellbock wird mit dem Untergrund verschraubt. An das Messingplättchen habe ich einen Messingdraht gelötet. Die Lösung mit der „Nase“ war nicht so gut. Den Draht habe ich zweimal abgewinkelt, sodass er ca. 1 cm von der Weiche weg zeigt. Der Weichenstellbock kann nun den Abstand zu den Schwellen von 2 cm einhalten.

Der Weichenstellbock von Schnellenkamp wird als Bausatz verkauft. Die Laterne besteht aus Kunststoff, alles andere ist aus Messing. Dazu gehört noch eine Metallfeder. Der Stellhebel besitzt unten zwei Bohrungen, eine für die Feder und die Andere für eine Verbindung zum Zungenstellhebel. In dieser Bohrung steckt auch mein abgewinkelter Messingdraht. Ein überlanger Draht liegt der Packung bei, es wird nur ein Stück für den Bausatz benötigt. Der Rest reicht für die Verbindung.

Weichenlaterne und Stellhebel in der Animation

Weichenlaterne und Stellhebel in der Animation

Stellt man nun die Weiche mit der Modul-Stellstange, dann drückt oder zieht der Zungenstellschieber den Handstellhebel am Stellbock und die Laterne dreht sich entsprechend. Manko: der Handstellhebel schwenkt nicht immer ganz herum, das ist leider mechanisch nicht ganz möglich. Aber die Laterne dreht sich um fast 90° (um ehrlich zu sein, manchmal sind´s vielleicht auch nur 85°).

Zweiter Ansatz: Originale Weichenlaterne mit neuer Mechanik

Hier noch eine weitere Reparaturmöglichkeit ohne den Schnellenkamp Weichenbock. Hierbei wird die originale Weichenlaterne verwendet. Die Laterne wird wieder auf des Zahnrad geklebt, und eine zusätzliche Konstruktion stabilisiert das Ganze.

Alternativer Versuch unter Verwendung der ursprünglichen Mechanik

Alternativer Versuch unter Verwendung der ursprünglichen Mechanik

Fazit: die Weiche hat wieder eine Laterne, auch wenn´s nicht die genialste Lösung ist! Es war mein erster Reparatur-Umbau. Nach dem Sicherstellen der Funktion kann man sich dann um die Optik kümmern, zum Beispiel mit einer neuen Blechabdeckung.

7 Reaktionen zu “Lenz Weichenlaterne reparieren”

  1. Hallo Namensvetter,

    interessanter Bericht, solche „Schritt-für-Schritt“-Anleitungen begeistern immer wieder.

    Gestatte mir die Anmerkung, dass in der Animation deutlich wird, dass der Bock etwa zwei Millimeter weiter weg vom Gleis aufgestellt werden müsste – und das ohne das Gestänge zu verändern. Dann könnte das Handhebelgewicht auch richtig „umschlagen“….

    Gruß,
    Stefan P.

    P.S.: Die Bilder zeigen deutlich, dass der verwendete Handstellbock samt Laterne eindeutig zu groß für unsere Baugröße ist…

  2. Hallo Stefan P.
    besser konnte ich den Stellbock nicht platzieren. Ob 2mm nach links oder rechts, der Handstellhebel hat noch viel mehr Spiel in allen Richtungen. Die Weichenzunge benötigt nur 4mm von einer Positition in die Andere. Der Stellhebel des Weichenbocks benötigt aber ca. 8mm. Du hast aber damit Recht, dass der Weichenbock etwas zu hoch ist für den Maßstab 1:45 !

    Gruß Wolfgang

  3. Hallo Wolfgang,

    ach so, von Dir war der Beitrag… Als Einsteller wird Stefan K. genannt.

    Die 2 mm nach links hätten als Ergebnis gehabt, dass das Handhebelgewicht in beiden Lagen im gleichen Winkel steht und bei Abzweig das Handstellgewicht auch auf die linke Seite kommt. – nun steht es ja senkrecht!

    Der unterschiedliche Stellweg zwischen Lenz-Weiche und diesen Stellböcken ist die Herausforderung, welcher man begrenzt durch ein neues Loch näher an der Drehachse des Stellhebels begrenzt begegnen könnte. Eine Hebelübersetzung wäre sicher sinnvoller.

    Du hast Dir vorgenommen, eine Weiche mit einem motorischen Antrieb antreiben zu wollen und das Handstellgewicht soll dann der Stellbewegung folgen. Dadurch, dass das Handstellgewicht einen gewissen „Leerlauf“ (zum Schwungholen seitens des Bedieners in 1:1) hat, wird der vorbildgerechte Eindruck des „Umschlagens des Handstellgewichts“ nur schwer zu erreichen sein. Ich bin auf Deine Aktualisierungen gespannt!

    Gruß
    Stefan P.

  4. Hallo Stefan P.,

    Du schriebst:
    > „ach so, von Dir war der Beitrag… Als Einsteller wird Stefan K. genannt.““..Die 2 mm nach links hätten als Ergebnis gehabt, dass das Handhebelgewicht in beiden Lagen im gleichen Winkel steht..“
    Wenn das so einfach wäre! Theorie und Praxis! Der Handstellhebel sitzt etwas lose auf seiner Achse, der macht, was er will. Da hift auch kein Versetzen nach links oder rechts, habe alles probiert. Die Stellung, die auf den Fotos zu sehen sind, ist genau richtig um die Laterne um 90° zu drehen.

    Du schriebst:
    >“Der unterschiedliche Stellweg zwischen Lenz-Weiche und diesen Stellböcken ist die Herausforderung, welcher man begrenzt durch ein neues Loch näher an der Drehachse des Stellhebels begrenzt begegnen könnte. Eine Hebelübersetzung wäre sicher sinnvoller.““Du hast Dir vorgenommen, eine Weiche mit einem motorischen Antrieb antreiben zu wollen und das Handstellgewicht soll dann der Stellbewegung folgen.““ Ich bin auf Deine Aktualisierungen gespannt!“<
    Ist schon passiert, siehe letztes Foto. Kein Weichenstellbock in Verbindung mit Handstellstange, dafür Neukonstruktion der Lenz-Mechanik.

    Im Schnellenkamp-Forum hatte ich mein Problem der abgebrochenen Lenz-Weichenlaterne geschildert und nachgefragt, ob jemand eine Lösung für eine Reparatur hat. Zum Teil ja, aber nur für noch nicht eingebaute Weichen, da man von unten an die Mechanik herankommt. Für eine Reparatur an einer eingebauten Weiche hatte niemand einen Vorschlag. Somit bin ich sozusagen ein Pionier der "Bruchlaternen" 🙂

    Ich wäre aber dankbar, wenn es noch mehr Vorschläge zu diesem Thema geben würde, aber nicht nur theoretisch, sondern mit getesten Umbauten!

    Also ran ans Werk!
    Bohren, schleifen und auch löten,
    ist in diesem Fall von Nöten! 😉

    Gruß Wolfgang

  5. Dieter Ackermann

    Ich habe mit grossem Vergnügen dieses „für und wider“ um Millimeter und Gewichte und damit verbundene „Pioniertaten“ im Bereich der Lenz-‚Bruchlaternen‘ verfolgt …

    Ich frage mich nur, und zwar ohne jeden Anflug von Ironie, warum die „Bruchlaternen“-Geschädigten nicht einfach mal die Hersteller-Firma Lenz mit diesem Konstruktions- oder Materialfehler konfrontieren!

    Es liegt mir fern, die Verdienste des Herrn Lenz und seiner Mitarbeiter um die Spur 0 in Frage zu stellen, aber auch die besten Konstrukteure sind nicht gegen Fehler oder Irrtümer gefeit!

    Und nebenbei – ist es nicht Erfolg versprechender, als Betroffener den Hersteller direkt auf einen Konstruktionsfehler resp. eine u. U. ungünstige Materialwahl aufmerksam zu machen, damit dieser auch im eigenen Interesse und natürlich dem seiner Kunden möglichst rasch für Abhilfe sorgen können? Zumal die Firma Lenz ihre Produkte ja nicht gerade zu „Ramsch“-Preisen verscherbelt …

  6. Moin Dieter,

    Du schriebst:
    >“Ich frage mich nur, und zwar ohne jeden Anflug von Ironie, warum die “Bruchlaternen”-Geschädigten nicht einfach mal die Hersteller-Firma Lenz mit diesem Konstruktions- oder Materialfehler konfrontieren!“<
    Oh Mann! Wie lange soll ich auf eine Neukonstruktion warten?

    Firma Lenz hat garantiert schon Kenntnis von den Laternenproblemen (Lenz-Kommentar: bloß nix abbrechen – unreparabel!) und ich bin sicher, dass die kommende Weichengeneration Änderungen im Sinne technischer Verbesserung hat.

    Meine Weiche ist fest eingebaut, diese rausreißen bedeutet, dass alle Gleise davor und dahinter darunter leiden. Ich wollte jetzt(!) wieder eine funktionierende Laterne haben, darum also diese Aktion!

    Gruß Wolfgang