Das Geheimnis der Brems-Ecken an Güterwagen

Bis in die späten 70er Jahre wurde an allen Güterwagen angeschrieben, mit welcher Bremsart sie ausgerüstet waren. Es ist für den Modellbauer und auch den Betriebsbahner nützlich zu wissen, welche Bedeutung die Brems-Ecken haben, sie finden sich auf (fast) jedem Modell.

Bremsecken an verschiedenen Güterwagen

Bremsecken an verschiedenen Güterwagen

Anschriften an Eisenbahn-Fahrzeugen können zwei Aufgaben haben:

  • betriebliche Aufgaben oder
  • verkehrliche Aufgaben.

Während die verkehrlichen Aufgaben schnell auf Werbung eingegrenzt werden können – wer kennt nicht Lokomotiven mit Werbeanschriften wie „Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“ -, sind die betrieblichen Aufgaben nicht so schnell abgehandelt.

Eine betriebliche Anschrift kennt sicher jeder: Die Loknummer, oder richtiger als Betriebsnummer bezeichnet. Doch nun soll es erst einmal um eine spezielle Anschrift gehen, um die Brems-Ecke!

Bereits in einem anderen Artikel hier – er behandelte die Themen Meterlast und Achslast – zeigte ich nachstehendes Bild:

ABC Raster an einem Güterwagen

Es zeigt die betrieblichen Anschriften an einem Güterwagen. Links an der Kante unter der Griffstange sind ein weißes Quadrat und darunter ein Rechteck mit einer abgeschrägten Ecke zu sehen. Da diese Kennzeichnung auf der Eckrunge angebracht ist und Auskunft über die Bremsbauart des Wagens gibt, wird diese Kennzeichnung als Brems-Ecke bezeichnet.

Bremsecken dienten seit Einführung der Druckluftbremse in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bis 1978 zur Kennzeichnung der in Güterwagen verbauten Bremsbauarten. Diese Bremsecken wurden mit weißer Farbe an den Eckrungen der Güterwagen aufgemalt. Wenn der Untergrund Weiß war, mussten die Bremsecken Schwarz umrandet werden. Anhand dieser Bremsecken konnte der Betriebseisenbahner sofort sehen, welche Eigenschaft die Güterwagenbremse hatte.

Folgende Bremsecken gab es:

Brake1 Bedeutung: Güterwagen hat keine Bremse, ist aber mit einer durchgehenden Luftleitung ausgerüstet („Leitungswagen“)
Brake2 Bedeutung: Güterwagen ist mit einer international zugelassenen Güterzugbremse ausgestattet.
Brake3 Bedeutung: Güterwagen ist mit einer Güterzugbremse ausgestattet, die nicht international zugelassen ist.
Brake4 Bedeutung: Güterwagen ist mit einer international zugelassenen Personenzugbremse ausgerüstet.
Brake5 Bedeutung: Güterwagen ist mit einer international zugelassenen Güterzugbremse ausgerüstet, die einen Bremsartwechsel G-P hat (kann auf Personenzug umgestellt werden).
Brake6 Bedeutung: Güterwagen ist mit einer nicht international zugelassenen Güterzugbremse ausgerüstet, die einen Bremsartwechsel G-P hat (kann auf Personenzug umgestellt werden).

Die Größe der Brems-Ecken war natürlich auch genormt: Die Breite war über die ganze Eckrunge auszuführen, während die Höhe der Markierungen bei den quadratischen Ecken 100 mm und bei der Ecke mit Abschrägung 200 mm (lange Seite) bzw. 100 mm (kurze Seite) betrug. Die Oberkante der oberen Brems-Ecke war bei der einfachen und der doppelten Brems-Ecke 700 mm über der Oberkante des Langträgers vorzusehen. Bei der dreifachen Brems-Ecke waren 900 mm einzuhalten.

Ab 1978 wurden die Brems-Ecken offiziell nicht mehr verwendet, aber sie wurden nicht zum Stichtag an allen Fahrzeugen übermalt. Vielmehr wurden sie bei Anstehenden Revisionen der Güterwagen nach Neulackierungen nicht mehr angebracht beziehungsweise, wenn der Wagen nicht komplett neu lackiert wurde, übermalt. Aber es gibt auch eine Ausnahme, denn die erste Brems-Ecke, die einen Leitungswagen kennzeichnet, wird bis heute an Leitungswagen verwendet!

Soviel zum Thema Brems-Ecken. Wer nun Interesse am Thema „Bremsen an Eisenbahnfahrzeugen“ gefunden hat, der kann auf meiner Homepage weiterführende Informationen zu diesem Thema finden: 1zu45.wordpress.com

6 Reaktionen zu “Das Geheimnis der Brems-Ecken an Güterwagen”

  1. Andreas Schwenzer Antworten

    Hallo Stefan,
    das ist ja super.
    Total interessante Informationen zu winzigen. aber doch wichtigen Details…
    Solche Dinge sind für mich immer sehr spannend.
    viele Grüße
    Andreas

  2. Andreas Patschky Antworten

    Servus Stefan,

    schliesse mich den vorangegangenen Komentaren mit einem Herzlichen Dank an.
    Hab mir darüber eigentlich noch nie Gedanken gemacht, jetzt dafür umso mehr, denke der eine oder andere Wagon wurde so nicht richtig von mir Beschriftet – werd ich mal kontrollieren gehen. Find ich übrigends echt super von Dir, das Du dein fundiertes Wissen immer wieder an uns Modellbahner, welches bestimmt mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden ist, weitergibst.
    Freu mich schon jetzt wieder auf weitere tolle Berichte von Dir.
    Grüße aus Bayern
    Andreas

  3. Hallo Stefan,

    für mich nichts neues, war mir schon in der 1:87ger Zeit bekannt. Aber für Viele sicher nicht.
    Es gibt noch so einiges such es heraus.

    Herzliche Grüße
    Horido

    z

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