Trainsmania Lille April 2017

Auf der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg wurde ich an einem Stand der La Presse Vereinigung (Französischer Zusammenschluss diverser Eisenbahn Verlage ähnlich wie hier die Verlagsgruppe Bahn) mit ihrem Vorstand Christian Fournereau aufmerksam auf eine im April 2017 geplante Ausstellung: Anlässlich des 80 Geburtstages der Zeitschrift Loco Revue sollte vom 28. bis 30. April 2017  die Eisenbahnaustellung Trainsmania in Lille stattfinden. Diese warben mit 80 Ausstellungsanlagen in allen Spurweiten, die meisten auf einem sehr hohen Qualitätsniveau. Viele der gezeigten Anlagen waren zumeist auf der Ontrax oder der Eurospoor in Holland gezeigt worden.  Somit war recht schnell klar, dass unser diesjähriger „Herrenausflug“ nicht wie all die Jahre zuvor nach Utrecht, sondern nach Lille ging.

Der Besuch

Wenn man solch einen Ausstellungsbesuch als „Event“ betrachtet, wie in unserem Falle 4 Tage einplant, und zum Beispiel über Luxemburg und Belgien in den französischen Norden aufbricht, um an vorher ausgesuchten Spots Vorbildfotos zu machen, relativieren sich auch weitere Anreisen wie z.B. aus Deutschlands Süden mit rund 600km einfacher Anfahrt. Außerdem bleiben solche Ausflüge im Gedächtnis, gerne erinnern wir uns an „Diaabenden“ an Ausflüge vor 20 und mehr Jahren zurück.

Als Besuchstag hatten wir uns den Samstag vorgenommen, war dort auch eine „Bourse de Modelisme“ angekündigt. Nach einem „petit dejeuner“ ging es pünktlich zur Eröffnung an die nahe dem Bahnhof gelegenen Messehallen, wo bereits eine große Menschenmenge auf Einlass wartete. Da wir vorab unsere Karten im Internet gekauft und ausgedruckt hatten, entfiel für uns das Schlange stehen an den Kassen, der Einlass selber ging zügig von statten. Aufgrund der angespannten Situation in Europa wurden Taschenkontrollen, sowie stichprobenartig Körperabtastungen vorgenommen. Einerseits nervt dies zwar, aber andererseits vermittelt es auch ein sicheres Gefühl. Von attraktiven Messehostessen wurde dann jedem Besucher eine Tüte mit der aktuellen Ausgabe der „Loco Revue“, sowie weiterem Werbematerial nebst Hallenplänen überreicht, eine wirklich nette Geste, die hierzulande Schule machen könnte

Sofort nach einscannen der Tickets ging es eilenden Schrittes zu der im hinteren Hallenbereich gelegenen Modellbahnbörse, da die meisten Besucher gleich an den Anlagen im Eingangsbereich verweilten, war es dort erstaunlich ruhig. Das Angebot selber war vielfältig, aber zu Preisen, eigentlich jenseits von Gut und Böse, in Spur 0 altes Lima und Rivarossi Material, sowie wirkliche alte Messingmodelle. Das so gesparte Geld wurde abends dann in wirklich gutes Essen investiert.

Gute Mischung von Anlagen

Herr Fornereau gelang hier eine sehr gute Mischung der „Guckkastenanlagen“, eigentlich eher beleuchtete Bühnen, meist, unabhängig von der Spurweite, 2-3 Meter lang und 50cm tief, so dass eine Person in einem PKW Kombi dies bequem transportieren kann und richtigen Großanlagen, die oft 12 bis 15 Meter, oder gar länger waren.

Sicherlich sind vorgenannte Art der Schaustücke höchst detailliert, gut ausgeleuchtet, mit Hintergründen versehen, aufgrund der schieren Größe sind die Möglichkeiten aber begrenzt. Meist ist es eine Fabrik, in der irgendetwas hergestellt, das fertige Produkt dann auf eine Bahn verladen und abtransportiert wird. Außerdem neigen hier oftmals die Erbauer, auf der wenigen verfügbaren Fläche übermäßig viel zu detaillieren, was oftmals überladen wirken kann.

La Grotte Champi

Eine sehr gut umgesetzte Idee ist der Schaukasten mit dem Namen La Grotte Champi, dieser zeigt eine Höhleneinfahrt, aus der ein mit Champions in Kisten beladener 0e Feldbahnzug herauskam, dieser fuhr dann in eine Werkhalle zur Verarbeitung der Pilze, hier entnahm der Erbauer von hinten die vollen Kisten, leere wurden stattdessen aufgeladen, und so fuhr der Zug zurück in die Grotte. Eine wirklich originelle Idee, die tatsächlich so hätte sein können.

Cercle du Zero

Der Cercle du Zero war mit einer 13×4 Meter großen Anlage dort, zusammengesetzt aus verschiedenen Modulen und Segmente der einzelnen Mitglieder. Dass hier unterschiedliche Epochen, Themen und Detailierungszustände zusammenkommen ist verständlich, baut jeder dort für sich alleine. Schade jedoch, wenn bei zweigleisigen Modulen, die dann in eingleisige münden, die Gleise einfach stumpf an der Trennkante enden. Wenn es planungstechnisch bei solchen Arrangements nicht anders geht, könnte man solch eine Szenerie wenigstens mit einem aufgesteckten Prellbock etwas kaschieren. Es war auch nur ein Zug auf der großen Anlage unterwegs, sicherlich wäre hier ein abwechslungsreicher Zugbetrieb möglich gewesen, da es einige Ausweichen auf der sonst eingleisigen Ringstrecke gab.

THANASSE-CABUSART

Ganz anders die Anlage aus einem Zusammenschluss des belgischen THANASSE-CABUSART und dem französischen Teil, erbaut vom Club RMC59, die eine Anlage mit den beeindruckenden Dimensionen von 25×7,5 Metern mitgebracht hatten. Der belgische Teil der Anlage, sehr homogen durchgestaltet, beeindruckte mit Modellbau auf hohem Niveau. Landschaftlich angesiedelt ist dies im Norden Belgiens, wo Wasserläufe mit Hubbrücken zu überqueren sind, es dominiert eine flache, nahe am Meer gelegene Landschaft. Neben modifizierten Serienloks waren auch selbstgebauten Loks der Serie 55, große sechsachsige Dieselloks, im Vorbild GM Lizenzbauten, eingesetzt in Belgien und Luxemburg, dort als 1800, im Einsatz. Gefahren wurde in U Form von Punkt zu Punkt. Auf dem französischen Teil fand sich aus altem Atlas und Lima Rangierdieselloks ein witziges Sammelsurium an individuellen Umbauten.

Modules 4000

Ebenfalls als Modulgruppe mit individuellen Teilsegmenten war als Teil des Cercle du Zero die Gruppe Modules 4000 mit einer Anlage 17×5,60 Meter zu Besuch. Die einzelnen Themenabschnitte  waren getrennt durch „black boxes“, schwarze Kästen, teils mit kleinen Vitrinen ausgestattet, um Eigenbaufahrzeuge zu zeigen. So werden die Themen in sich abgeschlossen, es ergeben sich keine harten Schnitte, dass beispielsweise ein Hafen neben einem Gebirge zu sehen ist. Liebevoll mit vielen Details gestaltet die Ortsdurchfahrt einer fiktiven Stadt in der Normandie, mit selbstgebauter Häuserzeile und Hafengebiet im Vordergrund.

Jean Pierre Bout

Nach Vorbildern der nordfranzösische Strecke Marle-Montcornet mit dem Bahnhof Marle sur Serre war Jean Pierre Bout mit einem 8×2 Meter modularen Layout angereist. Zusammen mit seiner Frau baut er dieses mit immer neuen Erweiterungen auf. Sie zeigt einen kleinen Landbahnhof mit angeschlossenem Depot mit schön gestalteter Landschaft. Geprägt von Kleingärten und Landwirtschaft besticht diese Anlage durch eine großzügige Weite, Gebäude sind sparsam verteilt. Zu sehen war diese Anlage in kleinerer Ausdehnung schon auf der Ausstellung in Stetten an der Donau.

TUSSEN KLEI EN LEUZZE

Aus Belgien war die meterspurige Straßenbahnanlage TUSSEN KLEI EN LEUZZE zu sehen. Belgien verfügte in den 50 und 60er Jahren über ein recht ausgedehntes Überlandstraßenbahnnetz, das die Arbeiter aus den ländlichen Gegenden zu den Kohlenminen und Stahlwerken der Großstädte brachte. Diese rund 4×4 Meter große Anlage verfügt über 4 Themen, optisch ebenfalls getrennt durch Black Boxes. Kleine dörfliche Haltestellen, Schienenkreuzungen mit Feldbahnen neben größeren Straßenbahn Depots, alles sehr detailliert und mit vielen kleinen Szenen ausgestattet. Die selbstgebauten Häuser geben die Umgebung typischer Arbeitersiedlungen sehr gut wieder.

La Zafra

La Zafra, eine 0m Anlage nach Kubanischen Vorbilder zeigt eine Fabrik zur Verarbeitung von Zuckerrohr nebst zugehöriger Feldbahn für die Anlieferung in hohen, offenen, mit Gittern versehen Wagen. Zahlreiche landestypische Szenen, die regelrecht karibisches Flair versprühen, machen diese Anlage, zu einem „Eyecatcher“ der besonderen Art. Palmen und weitere Vegetation aus dem Urwald, neben Zuckerrohrfelder mit Schnittern verstärken diesen Eindruck noch mehr.

Pempoul in der Bretagne

Als wahrhaft die Oberklasse im Modellbau kann man die die Anlage von Gordon & Maggie Gravett aus England bezeichnen. Sie zeigt den Bahnhof Pempoul in der Bretagne. Die angebrachte Beleuchtung und die triste Farbgebung hüllen das gesamte Layout in eine neblig- trübe Stimmung. Der ungewöhnliche Maßstab von 1/50 rührt daher, dass die in 1/76 rechnerisch richtige Spurweite 18,2mm beträgt, hier gibt es industriell gefertigte Radsätze und Drehgestelle. Diese verwendete der Erbauer der Einfachheit halber, so kommt man dann in Meterspur auf den Maßstab 1/50. Alles auf der 8m50 x 3m70 großen Modulanlage ist selbstgebaut: Fahrzeuge, Gleise und Gebäude. Die Anlage strahlt mit verhaltener Detailierung eine Ruhe aus, wie es eben an einem solch wolkenverhangenen Tag in den 40er in der Bretagne hätte sein können. Mr. Gravett hat im englischen Wild Swan Publications Verlag zwei Bücher über Baum und Landschaftsbau aufgelegt, viele Bilder vom Bau der Anlage sind dort veröffentlicht.

Weitere Anlagen

Es waren noch einige andere Spur 0 Voll oder Schmalspuranlagen, teils als Größere Arrangements, teils als „Guckkasten“ zu sehen. Dampfstraßenbahnen mit Kastenloks und bescheidenem Güterverkehr in städtischem Ambiente, diverse Feld-und Werkbahnen, meist in französischem oder belgischem Umfeld. Etwas gewöhnungsbedürftig und auch schwierig zu fotografieren, ein Streckenabschnitt der Chevennenbahn, diese war hinter Plexiglas ausgestellt. Auch in anderen Spurweiten waren beeindruckende Anlagen zu sehen, besonders die des Club Ferroviaire de Franche-Comté, welche die italienisch französische Grenzstrecke Modanne Culoz, die sogenannte Maurienne Strecke, in einem früheren Zustand mit 3. Stromschiene zeigt. Diese Anlage wird unter anderem auch benutzt, um Modelle diverser Hersteller abzulichten, diese Bilder finden sich dann in den (online-) Katalogen wieder.

Ebenfalls zu diesem Zweck wird die Anlage Bourgogne 1500V des  Association RMB verwendet. diese besticht durch eine besonders filigrane Oberleitung, bei denen die Maschinen mit wirklich angelegten Pantografen über die 15m X 2,50m große Anlage fahren, bei einer transportablen H0 Modulanlage eine besondere Herausforderung.

Fazit

Alles in Allem ein sehr lohnenswerter Ausflug, der eben in erwähnter Kombination mit der Bereisung anderer eisenbahntechnisch interessanter Orte eine gute Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinaus, neue Anlagen und Themen kennenzulernen, die den modellbauerischen Horizont erweitern. Ebenfalls gibt es in Frankreich dutzender kleiner Hersteller, die sehr gute Ausgestaltungsteile anbieten, die auch hierzulande durchaus Verwendung finden können. Viele von diesen sind eben nur auf Ausstellungen präsent, haben viele noch nicht einmal eine Internetseite, geschweige denn einen Onlineshop. So bleibt nur diese Möglichkeit, die Teile zu erwerben. Die Vielfalt ist groß, für alle Spurweiten gibt es genügend Auswahl.

Bereits für 2018 ist eine Fortsetzung der Ausstellung geplant, nähere Infos gibt es auf der Homepage http://www.trainsmania.com

 

Eine Reaktion zu “Trainsmania Lille April 2017”

  1. Stefan Fiene Antworten

    Vielen Dank für die vielen tollen Bilder, es hat mir große Freude bereitet, all die Bilder als eine Art Dia Schau gezeigt zu bekommen.
    Einige Hintergrundkulissen sind absolut gelungen, besonders einige gemalten.
    Grüße, Stefan

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