Betriebstreffen mit Fahrplan-Kartenspiel

Im Januar traf sich ein knappes Dutzend Spur Null Modellbahner in Hamburgs Norden, um gemeinsam ein Wochenende lang auf Modulen „Betrieb zu machen“, oder, deutlicher: Zum Spielen.

Arbeitsplatz des Betriebsstellenleiters mit Stellpult, Regler für die Rangierlok, und Wagenkarten

Arbeitsplatz des Betriebsstellenleiters mit Stellpult, Regler für die Rangierlok, und Wagenkarten

Um dem Spielbetrieb einen Rahmen zu geben, hat sich ein Teilnehmer eine Art Güterfahrplan-Spiel ausgedacht. Grundgedanke war, die Betriebsabläufe der Bahn in Epoche 3 ein klein wenig nachzuempfinden, ohne dabei in Bürokratie und Zettelwirtschaft zu enden. Das vom Fremo praktizierte, sehr detaillierte Vorgehen mit Güterwagen-Karten und Frachtzetteln plus Fahrplan war den Teilnehmern zu aufwändig, deswegen wurde das Konzept stark vereinfacht, und heraus kam ein Güter-Kartenspiel.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Kinderspiel (im mehrfachen Sinn) entpuppt sich beim Ausprobieren als äußerst kurzweiliges, und doch wirklichkeitsnahes Nachspielen von Betriebsabläufen, allerdings ohne den Papierkrieg, den man beim Vorbild führen musste.

Gleisplan

Der Gleisplan beansprucht eine Grundfläche von etwa 14 mal 16 Metern

Der Gleisplan beansprucht eine Grundfläche von etwa 14 mal 16 Metern

Das Prinzip ist eine Punkt-zu-Punkt Verbindung. Die Strecke ist aus Platzgründen mehrfach „gefaltet“, wobei auch enge 96 cm Kurven zum Einsatz kommen mussten. Die Streckenlänge betrug etwa 50 Meter, plus Abstell- und Parallelgleise.

Betriebsstellen

Jede Betriebsstelle bekommt eine Nummer. Es gab bei diesem Treffen sechs Betriebsstellen: Zwei Häfen, zwei Bahnhöfe, einen Werksanschluss mit drei Anschlussgleisen, und einen Fiddleyard. Jede Betriebsstelle verfügt über einen Betriebsstellenleiter, der sich um die Weichenstellung kümmert und eine örtliche Rangierlok fährt. Bei größeren Bahnhöfen können die Aufgaben auch zwei Mitspieler übernehmen.

Endpunkt der Strecke ist ein Fiddleyard

Endpunkt der Strecke ist ein Fiddleyard

Die Wagenkärtchen

Für jeden Wagentyp gibt es ein beschreibbares Spielkärtchen. Abgebildet sind nur der Wagentyp und eine recht allgemeine Kurzbezeichnung, wie offener Wagen, Kesselwagen, Kühlwagen, etc. Die Zuordnung der Karte zum Güterwagen muss nur so ungefähr passen, denn so gewinnt man Flexibilität bei der Kartengestaltung. Entsprechend werden bei den Karten auch keine Wagennummern verwendet.

Spielbrett für den Frachtdisponenten: Start und Ziel der Güterwagen werden festgelegt

Spielbrett für den Frachtdisponenten: Start und Ziel der Güterwagen werden festgelegt

Auf der Spielkarte stehen neben der Wagenbezeichnung drei Zahlenreihen, die die Betriebsstellen repräsentieren. Neun Betriebsstellen sind auf den Karten vorgesehen, nur sechs wurden diesmal verwendet. Es gibt drei 9er-Reihen untereinander, sie stehen für den Ausgangspunkt (Leer), die Ladestelle (Start), und die Entladestelle (Ziel).

Ein einsamer O12 wartet auf Abholung. An dieser Betriebsstelle finden EOW (Elektrische ortsgestellte Weichen) Verwendung.

Ein einsamer O12 wartet auf Abholung. An dieser Betriebsstelle finden EOW (Elektrische ortsgestellte Weichen) Verwendung.

Das Spiel

Zum Start stehen an jeder Betriebsstelle zwei Wagen. Der Spielleiter / Dispatcher / Frachtdisponent kennt die Startpositionen der Wagen und ermittelt jetzt mittels extra gebasteltem Glücksrad, wo die Wagen beladen werden, und was das spätere Ziel ist. Entspricht im Original der Anforderung von Leerwagen, und der Fahrt zu den Be- und Entladestellen. Die Betriebsstellenleiter bekommen jetzt die zu den an ihrer Betriebsstelle passenden Spielkärtchen. Daneben gibt es Ereigniskarten wie eine ausgefalle Lok oder Langsamfahrstrecken.

Die Betriebsstellenleiter müssen nun dafür sorgen, dass die Aufgaben abgearbeitet werden und die Wagen ihr auf den Kärtchen festgelegtes Ziel erreichen. Weil aber die örtliche Rangierlok höchstens mal zum Nachbarn rollen, nicht aber auf große Fahrt gehen darf, gibt es …

Nahgüterzüge

Um die Wagen von einer Betriebsstelle zur nächsten zu bekommen, gibt es Nahgüterzüge, im Eisenbahnerjargon „Lumpensammler“ genannt, die an den Endpunkten der Strecke starten und unterwegs alle Güterwagen in einer Richtung zustellen oder einsammeln.

Ein Nahgüterzug unterwegs. Viele Module sind noch im Rohbau.

Ein Nahgüterzug unterwegs. Viele Module sind noch im Rohbau.

An den Betriebsstellen sorgt dann die örtliche Rangierlok für das Zustellen auf das richtige Gleis und im Idealfall auch für die optimale Reihenfolge der Wagen, damit der Rangieraufwand beim nächsten Bahnhof möglichst gering bleibt. Der Zugführer des Nahgüterzuges muss dabei den Überblick behalten. Er nimmt die Kärtchen zu seinem Zug mit. So fährt jeweils ein Zug in jede Richtung. Beim Erreichen des Zieles kommt die Güterwagenkarte wieder auf den Dispatchertisch, und es wird eine neue Aufgabe „ausgewürfelt“.

Erlaubt ist, was gefällt. So schaut eine schöne Dänin in Gestalt der Nohab auch mal vorbei.

Erlaubt ist, was gefällt. So schaut eine schöne Dänin in Gestalt der Nohab auch mal vorbei.

Personenzug

Zusätzlich zu den Nahgüterzügen fährt ein Personenzug im Pendelverkehr zwischen den beiden Endbahnhöfen der Strecke. Das sorgt auf der eingleisigen Strecke immer wieder für teilweise aufwendige Ausweich- und Rangiermanöver und damit jede Menge Abwechslung. Hin und wieder, wenn es gerade passt, kann dem Personenzug auch der eine oder andere Güterwagen mitgegeben werden, flugs ist ein Personenzug mit Güterbeförderung (PmG) entstanden und eine Aufgabe abgearbeitet.

Die Züge rollen durch Rohbauten...

Die Züge rollen durch Rohbauten…

... und durch grüne Auen

… und durch grüne Auen

Der Personenzug hat es dabei nicht eilig, denn durch den kompletten Verzicht auf eine Uhr bleibt an den Betriebsstellen genug Zeit, um sich dem Rangierspiel zu widmen. Das ist zwar nicht ganz vorbildgerecht, aber es fördert den Spielspaß, denn so kommt kein Stress auf, da alle Aufgaben ohne die tickende Uhr im Nacken in Ruhe erledigt werden können – schließlich will man sich ja entspannen.

Soll eigentlich nicht sein: Karten auf oder in den Wagen. Aber wenn es bei langen Zugkompositionen mal kompliziert wird, muß man sich eben behelfen.

Soll eigentlich nicht sein: Karten auf oder in den Wagen. Aber wenn es bei langen Zugkompositionen mal kompliziert wird, muß man sich eben behelfen.

Betriebstechnik

Es wurden zwei Durchgänge gefahren: Einmal nur mit Wagen mit Schraubenkupplungen, ein weiterer Durchgang nur mit Lenz Kupplung. So konnten alle Fraktionen ihr Rollmaterial zum Einsatz bringen, und jeder durfte die Vor- und Nachteile der jeweiligen Kupplungsphilosophie in der Praxis erfahren.

Endpunkt Hafen: Wagen stehen zur Abholung bereit.

Endpunkt Hafen: Wagen stehen zur Abholung bereit.

Gefahren wurde mit Digitrax Loconet mit den Fredi-Handreglern des Fremo, die verschiedene Fremo Mitglieder freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. Das Für die etwa 50 Meter lange Strecke standen eine Zentrale und drei Booster zur Verfügung.

An Gleismaterial wurde so ziemlich alles verbaut, was es an Herstellern und Marken so gibt; an dieser Stelle gab es auch mit langen Dampfloks keine Probleme. Etwas eng wurde es nur bei den eingesetzten Klappkurven mit 96 cm Radius, dort gab es bei Dampfloks einige harmlose Entgleisungen und bei einigen Güterwagen mit Schraubenkupplung Überpufferungen. Aber das konnte durch langsames Fahren leicht beherrscht werden und tat dem Spielspass keinen Abbruch. Die Module waren zum großen Teil noch im Rohbau; durch den recht gründlichen Betriebstest kann bei der weiteren Gestaltung jeder Modellbauer sicher sein, dass die Technik funktioniert. Und beim nächsten Mal wird es dann etwas bunter und grüner in der Landschaft.

Fazit

Ein rundum gelungenes Wochenende mit viel Modelleisenbahn Spur Null, viel Fachsimpelei, aber vor allem jeder Menge Spielerei. Das Fahrplan-Kartenspiel hat trotz anfänglicher Skepsis allen Beteiligten viel Spaß gemacht.

Ein zweiter Artikel beschäftigt sich damit, wie man die Frachtkarten selber herstellen kann. Vorlagen zum Download gibt es auch.

5 Reaktionen zu “Betriebstreffen mit Fahrplan-Kartenspiel”

  1. Hallo Stefan,

    toller Bericht über ein äußerst gelungenes Fahrtreffen. Und nicht zu vergessen: ein
    schönes neues Nullbahner-Magazin!
    Weiter so!

    Wolfgang Gerwien

  2. Sowas habe ich mir schon immer vorgestellt und bereits 1998 in der Spur0-Lokomotive in abgewandeltet Form beschrieben. Leider ist es mangels Mitspielern nie dazu gekommen. Schön das ihr das umsetzen konntet. Klasse!

    Oliver Suhl

  3. Andreas Schwenzer

    Super Bericht von einer Super-Veranstaltung.
    Da ist ja schon einiges schöne Betriebsstellen und Strecken entstanden (oder man sieht schon, wie sie entstehen). Wichtig dabei auch der Betrieb, besonders das Fahrplan-Kartenspiel hat es mir angetan.
    Ich finde das Alles sehr anregend.

    Andreas Schwenzer

  4. Jürgen Mumme

    Super Bericht.
    So stelle ich mir Eisenbahnspielen, oder sagt man
    „Betrieb machen“, vor !
    Mit mehreren Mitspielern macht es eben mehr Spass,
    als alleine im stillen „Kämmerlein“.
    Das Ganze bekommt mit den Karten auch einen Sinn,
    und ganz wichtig : Freude und Geselligkeit gibt es
    gratis dazu.
    Ich hoffe sowas macht Schule unter den Spur Nullern.

    Jürgen Mumme

  5. Danke für eine interessante Magazin!

    Als ich einige Modulen im bau haben, interessiere mich diese Artikel um „0-Bahnern im Norden Hamburgs“.
    Ich möchte gern Kontakt mit diese Gruppe machen, um vielleicht in die Zukunft teilnehmen.
    Vielleicht kann Sie meine email weitersenden?

    Grüß
    Dag H. Pedersen